Heiligendamm Januar 2016

 

Ostsee - Bildgedanken

 

Ich stehe hier am Winterstrand
der tief verschneiten Waterkant..
Nur Mövenschrei von Zeit zu Zeit,
und sonst niemand weit und breit.

Sie senden sich den Morgengruß
und in den Stimmen liegt Verdruß,
weil aus sternenloser Nacht
sie kalte Füße mitgebracht,

Der Horizont ist unsichtbar,
die See ist glatt,nicht wirklich klar,
bleiern scheint ihr Angesicht.
Ich denke fast, sie atmet nicht.

Und irgendwie, ich merk es kaum,
schwebt über mir ein alter Traum.
Mittelalter, Fackelschein.
Menschen, ich bin nicht allein.

Sie seh'n die Erd'in Scheibenform
und manche streiten ganz enorm,
dass es durchaus glaubhaft ist,
wenn man die See mit Augen misst.

Möven rufen schrill und laut..
Ich hab ein Frösteln auf der Haut,
der Weg führt mich zum Haus zurück.
Seelentrost - ein Kuchenstück.
...
Diesen Traum aus fernen Tagen
werd' ich noch lange mit mir tragen.
K.F. 1/16

 

 

 

 

Ostsee-Bildgedanken II

 Manchmal kann ich sie nicht zügeln,
die Phantasie auf schnellen Flügeln
und so zeigte mir die dunkle See
heute Pferde, weiß wie Schnee.

Sie fliegen übern Horizont,
wo das Unbekannte wohnt
und galoppieren an den Strand,
wo alles jäh ein Ende fand.

Manchmal bringen sie, oh Glück
einen kleinen Bernstein mit,
den am Strand sie niederlegen
um der Ruhe dann zu pflegen.

Ich gehe mit gesenktem Blick
Schritt für Schritt ein gutes Stück,
schaue seewärts mit Respekt,
was die Natur für Kräfte weckt.

Den Bernstein hab ich nicht gefunden,
will es ehrlich hier bekunden.
Doch der Spaziergang war es wert,
hat er Demut mich gelehrt.

K.F. 1/16

...

 

 

Sturmvogel        (Bansin 2007)

 

Wie ein schwarzer Riesenvogel

 zieht ein Etwas über weite See,

 unheilvoll, - ein breiter Kegel,

 Schwingen sind noch über Land,

 Strand liegt da wie dunkler Schnee –

 und ich suche Deine Hand.

 Am Horizont ein winzig Segel.

 Als öffnet sich ein Tor zum Welt

 

Tritt plötzlich nun die Sonne ein.

 Von mancher Brust ein Seufzer fällt,

 als tausend Funken blitzen,

 Sand erglänzt wie Edelstein,

rieselt hell durch Fingerspitzen,

 Es könnte gar nicht schöner sein.

 K.F. 7/07

 

 

Otto’n sien Boot“

 

Kommst Du zurück an den Küstenort,

 liegt da noch immer „Otto’n sien Boot.“

 „Otto’n sien Boot“, das ist verwittert,

 ängstlich im Wind eine Planke erzittert,

 äußerlich blau und das Ruder fehlt,

 „Otto’n sien Boot“ sind die Tage gezählt.

 

 Ich rufe nach Otto...Doch Otto bleibt stumm..

 Nur ein paar Fußgänger drehen sich um.

 

 Doch da ist eine Stimme nah meinem Ohr

 wie ein Hauch im Wind, so kommt es mir vor:

 „Im Sturm einer Nacht eine riesige Flut

 ergoss sich über „Otto’n sien Boot“.

 Otto blieb draußen, draußen im Meer,

 nur das Boot kam zurück, das Boot war leer...“

 

 Ich drehe mich um, die Stimme zu seh’n:

 Doch niemand ist da. Die Turmuhr schlägt Zehn.

 

7/07

 

 

Anmerkung:

Das Bild zu "Sturmtief" hat keine Beziehung zu Bansin. Die Autorin möchte damit nur die gefühlte Stimmung verdeutlichen. (Kostenloses Foto, gefunden bei Google durch Themenaufruf.)