Zuhören bzw. Mithören ist in diesem Fall erlaubt, ja sogar erwünscht!

Also leihen Sie mir gern Ihr Ohr!

 

Enttäuscht

Ein kleines Kind, froh und flink,
läuft hin zu diesem „Zuckerding“.
Steckt es schnellstens in den Mund,
hat’s schon auf der Zunge --- und
ein schriller Schrei die Luft zerreißt,
Schnee tanzend auf dem Boden kreist..
Die Amsel stirbt an Herzinfarkt,
sie hat das Kind zu spät bemerkt.
„Daß Du von allem naschen musst...“
Die Mutter tröstet’s an der Brust.

K.F. 1/09
...
 

 

Bienenkönigin
Ich legte heute Stangenbohnen,
als eine Königin geflogen kam:
„Diese Ernte wird sich lohnen,“-
und Platz auf einem Blatte nahm.


Sie schien mir politikverdrossen,
erzählte wütend von den Drohnen,

die tatenlos auf Leitersprossen

und überall umsonst nur wohnen.

„Doch ohne meine Arbeitsbienen,
die als Volk mich brav umgeben,“

so sagte sie mit wicht’gen Mienen,
kann ich auch nicht lange leben.“

K.arin Fluche 5/08                                            

...

Schutzengel-Begegnung

Du bist Deinem Schutzengel begegnet,
in letzter Sekunde, zur rechten Zeit, 
Der Himmel bewölkt, es hatte geregnet,
da stand er bei Dir im weißen Kleid.

Er zeigte Dir wortlos, dass er Dich liebt,
Dich stets begleitet, vor Nöten bewahrt.
Zu spüren, daß es Schutzengel gibt, -

Wunder des Lebens der schönsten Art.

K.F. 4/08

 

---

Deine Hände...

berühren sanft mein Gesicht,

ich denke an damals, August in Sicht.

 Dein Auto war grün und auch nicht neu,

genauer zu schauen, war ich zu scheu.

Sah nur Deine Hände am Lenkrad liegen.

Du bist tatsächlich dann ausgestiegen.

„Wie schön, dass Du gekommen bist“,

Deine Hand berührte sanft mein Gesicht.

Jahre vergingen, Zeit ist wandelbar.

Veränderungen, - doch Deine Hände sind da.

K.F. 1/08

---

Einseitiges Gespräch


"Guten Tag - Wie geht es Ihnen?“

wird man eher selten noch gefragt

und wenn...

– mit säuerlichen Mienen. -

-

Da greif' ich schnell zu einer List

und sage prompt mit ganzem Mut

„Danke sehr, es geht mir gut!“

Auch, wenn es einmal nicht so ist. –--

-

Diese Antwort kommt gelegen,

denn anders wär’ es ein Verdruss.

Der Frager fragt auch seinetwegen!

Man unterbricht dann nur den Redefluss.---

Sorgen, Nöte,  Ängste, Klagen...

die da sind in Kopf und  Herz.

Manche müssen’s andern sagen, ---

von Traurigkeiten, Seelenschmerz.....

-

(Einseitig)... - alles ausgesprochen -...

Oh, ... Erleichterung, - ein großes Stück.

Man wünscht mir eine gute Woche.

Nur Gehörte bleibt  zurück.---

K. F. 5/2007

Das deprimierte Gedicht

Es sagte ein Gedicht einst etwas über sich:

"Mir ist, als könne ich

nicht ganz vollendet sein.

Es kranket mir am Kopf,

 auch lahmet mir das Bein,

Ich denk, ich lauf nicht rund,

fühl mich nicht kerngesund,

und laß' Euch alle wissen,

es geht mir ganz besch...eiden,

mag mich wohl selbst nicht leiden.

Vielleicht liegt es am Wetter,

etwas Sonne wär schon netter.

Auch ist es etwas „kühlig“.-

Ich bin wohl „wetterfühlig".

Wer diese Krankheit kennt,

liegt damit voll im Trend.

Doch heute - alles grau in grau,

selbst der Anstrich der Fassade,

und wenn Du mich schließlich wegwirfst,

dann ist es auch nicht schade.

Juni 99 

---

Die dramatische Lebensgeschichte eines

Schokoladen-Weihnachtsmannes

Es waren Septembertage, mild und warm,

als mir der Gedanke kam,

im Supermarkt was einzukaufen.

Denn etwas wird man immer brauchen.

Ich schaute hier und schaute da,

und war dem Regal mit Süßigkeiten

plötzlich wirklich all zu nah,

als eine Stimme, leis und putzig,

zu mir sprach. - Ich wurde stutzig.

Es war ein Schoko-Weihnachtsmann,

der zu mir spricht.

Hier die Geschichte seines Lebens.

Ist sie wohl glaubhaft oder nicht?.

Es war bereits sein zweites Leben.

Wiedergeboren. ---

Ja so etwas, das soll‘s ja geben..

Im ersten war er Osterhase.

Daher noch die stumpfe Nase,

und außerdem die langen Ohren,

die jetzt im Barte sich verloren.

 

Aus dem Schoß der Pressmaschine,

so erklärte er mit böser Miene,

lag er hilflos, nackt und frisch

viele Stunden auf dem Tisch.

Bis fünf Knubbelfinger, dick und breit,

ihn packten ins Aluminium-Kleid.

Das Kleid war hart und viel zu eng,

und es roch dazu noch streng.

 

Er kam darauf zum Abtransport,

und fuhr sogleich an diesen Ort.

Seine Heimat sei nun ein Karton

zusammen mit 50 anderen,

die vor ihm da war‘n, lange schon.

Das Schicksal seiner Leidgenossen,

so meint er traurig und verdrossen,

sei ein Transport in dunklen Taschen,

als seien sie nur was zum Naschen.

Zwischen Äpfeln, Kohl und Fisch,

ja, mancher überlebt das nicht.

Berichtet wurde von viel Schmerz,

der Mensch zerdrückt das arme Herz

und beißt direkt den Kopf wohl ab,

bis er selber dick und satt

und ebenso die Stiefelfüße.

Oh, was mancher Schoko-Mann

in seinem Leben leiden müsse.

Nach dieser Tragik, wie gehört,

war ich gerührt und auch empört,

schwor diesem Schoko-Weihnachtsmann

gute Behandlung, lebenslang.

Er steht nun froh bei mir zu Haus,

jahrein, jahraus als Nikolaus

und tippt sich an die breite Nase,

denn er wird niemals wieder Osterhase.

16.11.04

Das Geheimnis


Zwei waren zusammen und sonst ganz allein,

da besprachen sie etwas, das war ganz geheim:

„Gib mir Dein Wort, dann geb ich Dir meins!

Jetzt, hier und sofort und versprich mir nur eins:

Dies ist ein Geheimnis, - also vertraulich!

Würden andere es wissen, wär’s wenig erbaulich.“

-

Und ohne Bedenken gab einer sein Wort,

hier auf der Stelle, an diesem Ort.

So versprachen sich Zwei, nichts weiterzusagen,

heute sowie an den kommenden Tagen,

denn ein Geheimnis, das weiß jedes Kind,

ist nicht für dritte Ohren bestimmt.

-

Doch welch ein Erstaunen, als einer erfährt,

daß dieses Geheimnis, das er hütet und ehrt,

bereits bekannt ist als Stadtgespräch,

Ach, was für ein Pech!

Und was wurde indessen

aus dem so vertraulich gegebenen Wort?

-

Es wurde einfach vergessen,

der Wind trug es fort.

Es ging verloren in nur wenigen Stunden

und wurde bis heute nicht wiedergefunden.

26.5.05

--- 

Frage und Antwort

 

Zwei freundlich-nette Menschen,

die sich schon des längern kennen,

und sich direkt beim Namen nennen,

plaudern ohne tiefen Sinn

- die Worte plätschern so dahin.

 

Und plötzlich öffnet einer seine Seele,

daß ihm wohl körperlich nichts fehle.

Doch da sind jetzt diese Dinge,

für die er kein Verständnis bringe.

 

Eines Tages dieser Krach....

Und seine Ehe, die zerbrach,

Oh, es war nicht seine Schuld,

er sei ein Mensch mit viel Geduld...

Wieviel Geld wird er verlieren?

Und die Kinder, deren Vieren.......

Insolvenz macht sein Geschäft,

und daß er darum nachts nicht schläft.

 

Der andere ist ein stiller Hörer,

als der Sprecher plötzlich sagt

und schaut ihn an wie ein Verschwörer:

„Ich mach sonst alles wie mit links,

doch manchmal und auch neuerdings.......

Ich habe einfach keine Ruh.

Sei mal ehrlich: Was meinst Du?“

 

Und der so direkt Gefragte,

dieser brave Wicht,

sagt dem andern ins Gesicht,

was denn seine Meinung sei,

und er denkt sich nichts dabei.

 

Der Frager ist jetzt nicht mehr freundlich,

sondern ausgesprochen feindlich

und seine Augen funkeln wild,.

denn die vorgetragene Meinung

paßt nicht in ins eigene Meinungsbild.

 

Drum:

 

Was Du auch denkst, sags nie direkt,

das hat so manchen schon verschreckt.

Schon mit: Aha, und ach... und oh ....

und mit hm, hm, und so, so, so...

ist der Frager sehr zufrieden,

und der Befragte ebenso.

 

 

Die Beratung

 

Otto Meier, der Bauer,

klagt trostlos im Märzen

„ Oh je, Oh je, auf meinen Feldern,

da liegt ja noch Schnee.“

Seine Stimmung ist sauer,

ihm ist nicht nach Scherzen.

 

„Noch kann ich nicht rackern,

und die Felder beackern.

Ein langer Winter ist heuer,

trübe die Tage,

der Strom ist gar teuer.“

 

Und er will sich beraten,

denn sonst fühlt er sich fit,

schließt zu Haus und Garten,

und geht dann mal rüber

zum Nachbarn Fritz Schmidt.

 

Fritz ist in der Scheune,

nur Frau Molly ist da,

vom Kirchturm schlägt's „Neune“. ---

und sie zeigt Verständnis,

das ist ganz klar.

 

Die zwei beraten sich gründlich,

schriftlich und mündlich ....

 

Ende Dezember – fast pünktlich zum Fest,

da liegt ein winziger Schütze

bei Schmidtens im Nest.

Bauer Schmidt ist voll Freude

und Frau Molly gestreßt...

 

Sie schaut besorgt

in des Kindes Gesicht,

Wem sieht er nur ähnlich,

der kleine Wicht?

 

Und voller Schreck

kommt ihr in den Sinn:

Hat er nicht gar von dem Meier -

von damals - das Kinn?

 

„Das ist aber wirklich nur wenig

und schließlich nur seitlich “ -

beruhigt sich Molly :

„Na ja, so geht das noch leidlich...“

 

Nur nicht weitersagen....

 

Einer äußert viele Klagen...

Ach und Weh und Ah und Oh,

-         aber nur nicht weitersagen..

denn da wär’ er wenig froh.

Doch zu Dir, da kann ich’s wagen...

 

Kennst Du den....., - so viele Klagen,

und sein Leben ist zerstört....

Aber nur nicht weitersagen,

weil sich das nun nicht gehört

doch zu Dir, da kann ich’s wagen....

K.F. 8/07

-       

Schöne Feier

 

„Wieder eine schöne Feier“

sagt frohgelaunt ein netter Gast.

„Alles da und nicht so teuer,

wie Du das nur alles schaffst.“

 

Vorbereitung, das macht Stress

und Dir ist nicht nach „happyness“,

Fühlst Dich heute ganz k. o.

mit Gliederschmerzen sowieso.

Am nächsten Tag ist Nachbereitung:

...Flecken, Abwasch, alte Zeitung...

 

„Das war wieder eine schöne Feier“,

so ruft ein Gast noch einmal an,

„...besonders lecker, die gefüllten Eier...-

Nun bis zum nächsten Mal sodann.“

K.F. 8/07-

 

 

 

Für Wort-Akrobaten

 

Was bedeutet das Wort „Wortakrobaten“?---

Ich bekam es als Notizbuch geschenkt.

Hab lang überlegt, dann geraten.

und meine Gedanken hin und her gelenkt.

 

Eine Art der Darbietung kommt mir gelegen,

wie in einem Rondell, gleich einer Arena.

Mit Worten jonglieren, im Kreise bewegen,

mit Gedanken spielen zu einem Thema....

 

Ein Wort in die Luft geworfen, aufgefangen, ---

Und sehr konzentriert steht er zur Übung parat -

doch dann fallengelassen, neu angefangen...

Es ist nicht sein Tag....-. der „Wortakrobat“

 

K.F. – Karin Fluche

 

...

Wie interessant...

 

Zwei Leute stehen auf Gartenwegen,

um freundlich ein Gespräch zu pflegen.

Klatsch und Tratsch ganz sicherlich

über dies und das und Dich und mich.

 

Den Freund, der grüßend sie gestört,

betrachteten sie zu recht empört.

Plötzlich naht, er heißt Herr Blech -

Vertieft in sich, im Selbstgespräch.

 

Die beiden stehen auf Gartenwegen...,

verstummt und wollen sich nicht regen...

Herr Blech erzählt aus seinem Leben...

Das interessiert doch schließlich jeden...

 

Karin Fluche

 

 

Abgewiesen...

 

Zwei Sternschnuppen im Weltenall.

War das nicht ein großer Zufall???

Die eine sagte irgendwann:

„Ich liebe Dich, mein guter Stern“.

Ein Schweigen strömte durch den Raum,-

dann war’s zu überhören kaum:

„Ich Dich nicht, Du kleine Puppe ---

Du bist mir nämlich gänzlich schnuppe.“---

Flog dann davon in fremde Fernen

Und vielleicht zu andern Sternen.

Die andere, die sich so bemühte,

traurig hier und jetzt verglühte....

 

Karin Fluche 3/2010