Kalender, Kalender,

von Januar bis Dezember

für jeden Monat ein Gedicht,

wie' s seinem Wesen wohl entspricht. (K.F.)




Januar

Spitzen-Romantik

 

Fließende Tropfen, zu Eis erstarrt,

schön und bizarr, romantisch und zart,

 erinnern mich an Häkelspitzen,

die an Kissen und Decken sitzen.

 

Hier braucht die Natur nur eine Nacht,

was sonst viel Arbeit und Mühe macht,

 um einen Dachrand zu verzieren.

 Gebilde, die zu Mustern frieren....

 

Und schon zerflossen die Gedanken

in Träume, die im Nichts versanken...

 Schreck, da ich mir in den Finger stach!

 Eisspitzen polterten vom Dach...ach!

 

Karin Fluche

 

Februar

 

 Schneerosenzeit


Kühle Tage, so milchig-verhangen,

mit Regenschleiern, die sie umfangen.

Noch Schneereste kleben am Winterkleid,

Sind aber Beginn der Schneerosenzeit.

Mutter Natur schläft noch ruhig und sacht,

wenn Schneerosen blühen, lange erwacht..

Schneerosen-Schönheit in kalter Welt,

so hat das der Himmel für sie bestellt.

Doch ein jeder freut sich, wenn er sie sieht,

denn Frühlingsahnen zieht in sein Gemüt..


Karin Fluche

März

Zarte kleine Schneeglöckchen


Ich hatte sie kaum vom Winter befreit,

und aus altem Laub ans Licht geführt,

als es morgens schon wieder geschneit.

Sie haben’s ganz sicher vorher gespürt.-


Die weißen, zarten Schneeglöckchen....


Trugen Mützen auf den kleinen Ohren,

und schauten scheu und etwas kläglich,

denn sie hatten nachts gefroren,

Ach, das tut mir so leid,- unsäglich....-


Die weißen, zarten Schneeglöckchen


Amseln und, Meisen geben uns Trost:

Ihr braucht kaum mehr zu warten....

Winter schon alt und auch der Frost.---..

Schneeglöckchen läuten im Garten.


Karin Fluche 3/2010

 

April - Ein unberechenbarer Typ


Zwölf Monate im Walzertanz

Schweben auf der Jahresbühne.--

Freund April voll Eleganz

erst traurig, dann mit froher Miene


ist mal bockig-wildes Mädchen,

dessen Haar im Sturme weht,

dann ein zartes Seidenfädchen

auf einem frischen Gartenbeet.


Die andern Tänzer mit Erstaunen

Schau’n auf dieses seltsam Spiel,

auf diese wechselhaften Launen:

„Ach, wieder der--.April – April“.


Karin Fluche

 

M a i

 

Der Wanderer

 

Ohne Ziel ein Wanderer...

 Die Kirchenglocken läuten, -

 Frühling – wie kein anderer -,

 die immer ihn erfreuten..

 

Sinnend bleibt der Fremde stehn’...

Glockenblumen schwingen ...

 Nur nichts, nur nichts überseh’n...

 Hören, wie die Amseln singen.

 

Maiglöckchen am Waldesrand

 senden wunderbaren Duft.

Er berührt sie mit der Hand

 atmet tief die Frühlingsluft.

 

 Weite unbekannte Ferne

 ruft ihm zu mit stillem Wort..

 Himmel voller Frühlingssterne.

 Und der Wanderer zieht fort.

 

Karin Fluche

 

Juni


Überlegt


Es könnte wohl milder Winter sein

mit südlichem Blick

oder kühler verregneter Frühling

in unseren Breiten

mit herbstlich windigem Touch

und nichts weniger

als beständiger warmer Sommer

zur jetzigen Zeit.


Karin Fluche 6/12.


 

Juli

Sommerkrankheit


Wenn der Sommer sich nicht „(an)fühlt“,

kränkelt, selbst nicht weiß, was mit ihm ist...

Kaum mehr warm, dann weiter abkühlt,

greift mancher Mensch zu einer List:


Er setzt sich in den Wintergarten,

ein Sonnenbild schmückt dessen Wand,

um nun in Ruhe abzuwarten.

Der Sonnenschirm steht ihm zur Hand.


Ach endlich! - geht’s dem Wetter gut,

ein „Hoch“ reist an aus Richtung Zerbst,

Der Mensch nimmt Schirm und Sonnenhut:

„Was für ein wunderschöner Herbst!“


Karin Fluche

A u g u s t

 

Meisterlich...


Blütenduft in aller Stille

in verschwenderischer Fülle

macht mich beinah atemlos -

Holunder, Erdbeer, zarte Ros’,


Kleines Moos strahlt lieblich-süß,

Zitronenkraut umarmt Anis.

Farben scheinen jetzt zu wogen,

rot und blau, ein Regenbogen....


Düfte, Farben, wieder Düfte..

Schweben sacht durch Sommerlüfte.

Gar meisterlich ist komponiert...

Natur, - so wunderbar verziert...


Karin Fluche


 

September

Strahlengesicht


Sonnenblume – Auge des Sommers,

- Strahlengesicht

Du lächelst besonders,

drehst Dich heiter ins Licht..


Sonnenblume – auf meinem Teller,

auf meinen Decken –

Was willst Du mir sagen,

willst Du mich necken?


Sonnenblume – stehst Du im Garten?

Bei uns dicht am Haus?

Wo Du auch bist, -

siehst wunderschön aus.


Karin Fluche

 

Oktober

Wetterhahn


Mittagsdunst und Essenschwaden.

Der Wetterhahn sitzt auf dem Dach.

Er macht das schon seit vielen Jahren,

und über längst vergangene Zeiten

denkt er voller Wehmut nach.


Da rutscht unter ihm ein Ziegel

und er gleitet auf dem Wind

mit weit gespanntem offenen Flügel.

Ach, er freut sich wie ein Kind.


Letzte Vögel lassen grüßen,

winken ihm, sich anzuschließen. -

Ja, er will nur immer fliegen,

fliegen hoch im Wind,

fliegen über weite Felder,

die jetzt Stoppelfelder sind.


1.8.05

November

 

Frühling im November


Winterjasmin blüht im November,

hat Ruhe sonst bis Februar.

Margarite und Kokarde,


Sommerblumen, wie ich meine,

sind bis September doch nur da

Doch heute blühte wieder eine.


Es blüht wieder rot auch die Kornrade

und Primeln leuchten aus dem Laub.

Wolken schnell am Himmel ziehn’n


und unter unserem Rosenstocke

blüht schüchtern eine Jungfer Grün,

auch das Schleifenkraut versucht’s gerade...


Die Luft ist mild, der Himmel weint.

Schau her, was sind das nur für Zeiten,

wenn November wie im Frühling scheint?


Karin Fluche

 

Dezember

Winterbraut

Die Natur trägt ein Brautkleid,

makellos, weiß und unberührt,

Es passt so gut in die Winterzeit -

mit Diamanten und Glitzer verziert...

Blüten aus Eis am breiten Saum,

Der Reifrock ist ganz weit gebreitet.

Ein wunderbarer Wintertraum,

der an uns vorübergleitet.


Karin Fluche


Anmerkung:

Bild "Sonnenblume" und "Schneerosen" sind eigene Handzeichnungen der Autorin.

Die anderen (Zwischen)Bilder sind freie Googel-Bilder durch Themenaufruf.